Wie soll man das beschreiben, was mir danach passiert ist? Nach dem Tag mit meinen persönlichen drei heiligen Königen? Mir war bewusst, dass mein Leben jetzt nie wieder dasselbe sein würde. Doch die Ausmaße waren mir nicht klar. Es war wie bei einem Dominospiel, bei dem man sieht, wie die Steine nach und nach fallen, man aber das Ende nicht erkennen kann, weil die Steine irgendwann im Nebel oder im Nachbarzimmer verschwinden. Immer wenn ich dachte, den letzten Stein fallen zu hören, löste er die nächste Kettenreaktion aus und weiter ging es im rasanten Tempo der Zerstörung.

Am Tag, als Markus verschwand, hinterließ er mir diese Auflistung mit dem Titel: Was du jetzt zu tun hast. Die ersten Zeilen lauteten „Zu allererst: Du bist schuldenfrei.“ Und ich dachte nur: Welche Schulden?

 

Über Geld spricht man nicht. Sagt man. Man sollte aber über Geld sprechen. Sage ich. Denn vom Geld hängt unsere Existenz ab. Zumindest unsere soziale Existenz, aber auch unser Überleben: Ohne Geld kein Essen. Ohne Essen auf Dauer Exitus. Kein Leben mehr. Tod.

Wie soll ich dieses Thema erklären, ohne Markus zu schaden? Ich kann es nicht. Wenn ich die Wahrheit schreiben möchte, wird ihn das in kein gutes Licht rücken. Aber das will ich ja auch gar nicht. Das wollte er auch nie. Im Rampenlicht stehen und als heldenhafter Behinderter betrachtet werden. Oder als armer Krüppel. Er wollte einfach er sein. Und das war schwer.

Man selbst zu sein, bedeutet auch, zu seinen Fehlern und Schwächen zu stehen. Ja zu ihnen zu sagen. Die Folgen der Schuld zu tragen. In Markus´ Fall muss er nicht mehr damit leben, dass seine Schuld offenbart worden ist und hiermit weiter offenbart wird. Aber ich muss es und Lütte Locke muss es. Doch auch wenn Offenbarung hart ist, ist sie wichtig. Weil alles andere vorher eine Schweinwelt war. Und in Scheinwelten kann man auf Dauer nicht existieren.

 

Unsere Scheinwelt sah so aus: Markus und ich hatten uns seit gut zehn Jahren die Finanzverwaltung geteilt. Er kümmerte sich um die Konten und sagte mir, wie der monatliche Stand aussah, ich kümmerte mich um den laufenden Betrieb und kontrollierte, wie viel wir monatlich ausgaben, damit wir über die Runden kamen. Das war umso wichtiger, als dass wir auf Spendenbasis lebten.

Wir waren zwar Angestellte bei einer Beratungsstelle, aber da hier in der Region psychologische Beratung Mangelware ist, vor allem für Glaubensthemen, und viele sich nicht mal die Anfahrtszeiten leisten konnten, hatten wir uns für ein Patenschafts-Modell entschieden. Menschen, denen es finanziell besser ging, übernahmen eine Art anonyme Patenschaft für Menschen, die sich die Beratung nicht leisten konnten. Das bedeutete aber auch, dass wir jeden Monat von den Spendengeldern abhängig waren. Neun Jahre lang.

Als Lütte Locke geboren wurde, wurde der Druck größer. Ich habe zwischendurch immer wieder Aufträge aus meinem ersten Berufsfeld als Journalistin angenommen, um Geld für größere Anschaffungen beiseite zu legen oder wenn Spenden aufhörten. Uns ging es nicht schlecht. Aber auch nicht gut. Wir lebten seit Jahren mit plus minus Null. Es war okay. Trotzdem war seit Lütte Lockes Geburt eine stetig wachsende Anspannung zu spüren, die ich mir nicht weiter erklären konnte.

Mehrmals habe ich Markus angesprochen und gefragt, warum er in letzter Zeit so nervös war. Es gab doch keinen Grund. Dank meiner zusätzlichen Jobs hatten wir es sogar geschafft, eine Kleinigkeit anzusparen. Das war auch wichtig, weil wir auf Dauer das Dach unseres Hauses und unserer Beratungsstelle neu decken lassen wollten. Nach unserer finanziellen Geschichte der letzten Jahre passierte endlich etwas. Es ging aufwärts. Dachte ich.

 

Finanzen waren seit 2001 für uns ein Dauerthema. Damals hatten wir unser Haus gekauft, die Finanzierung stand auf soliden Beinen, wir hatten Rücklagen und wollten es nach und nach renovieren. Markus hat damals selbst Parkett verlegt. Er ist dafür über den Boden gerobbt. Dabei hatte er sich unbemerkt Wunden am Gesäß und der Hüfte zugezogen. Oberflächlich verheilten sie schnell, unter der Haut bildeten sich riesige Schluchten.

Weniger als drei Monate, nachdem wir in unser Haus gezogen waren, kam er mit einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung ins Krankenhaus. Dort blieb er zehn Monate, in denen er um sein Leben kämpfte. Als er wieder herauskam, war seine Wirbelsäule gekrümmt und sein rechtes Bein zehn Zentimeter kürzer. Der Infekt hatte mehrere Knochen „zerfressen.“ Dadurch änderte sich seine Körperhaltung, er bekam schlechter Luft, weil die Organe gestaucht wurden.

Wir kamen zurück in ein halb ausgebautes Haus. Ohne Rücklagen. Mit einem riesigen Berg Schulden. Während der zehn Monate fiel Markus´ Pflegegeld weg, das wir monatlich einkalkuliert hatten. Das Loch in seiner Hüfte fraß nicht nur seine Gesundheit, sondern alles Geld auf. Weil die monatlichen Kosten weiterliefen, sammelten sich Schulden an. Wir mussten einen Kredit aufnehmen.

 

Knapp zehn Jahre lebten wir danach in diesem halb ausgebauten Haus, da Wohnraum für Menschen mit Behinderungen Mangelware war und immer noch ist. Knapp zehn Jahre arbeitete ich in mehreren Jobs und legte jeden Cent beiseite, um die Schulden abzubezahlen. Ich hatte eigentlich anderes vor. Ich war noch jung, ich wollte mein Abi nachholen, wollte studieren. Stattdessen hatte ich eine kranken Mann, ein altes Landhaus und Schulden.

Nach zehn Jahren verbesserte sich die Situation. Markus ging es besser, die Schulden waren fast weg. Mit der Ruhe kam bei mir das Burnout. Besser gesagt: Ich gestand mir das jahrelange Ausbrennen ein. Danach änderte ich mein Leben. Ich achtete mehr auf mich. Markus achtete mehr auf sich. Statt uns ständig einander zu retten. Und wir sattelten wir um. Machten das, was wir von Anfang an in diesem Haus tun wollten; gründeten die Beratungsstelle, begleiteten Menschen, denen es so ging, wie es uns ergangen war. Verteilten unsere Aufgaben neu, auch die Finanzverwaltung.

Wir bildeten uns fort. Bauten nach und nach weiter an unserem Haus. Die Beratungsstelle wurde größer, professioneller. Nach all den Jahren bekamen wir plötzlich doch noch ein Kind. Womit keiner mehr gerechnet hätte. Wir waren endlich angekommen. Dachte ich. Ich hatte vieles gedacht. Viel vertraut. Stattdessen war, ohne dass ich etwas davon ahnte, unser Leben nur noch eine einzige Fassade. Das erfuhr ich aber erst nach Markus´ Tod:

 

Nachdem meine heiligen drei Könige gegangen waren, begann ich meine Eltern und meine engsten Freunde über Markus´ Tod zu informieren. Danach fuhr ich zum Bankautomaten und wollte Geld abheben. Ich bekam eine Fehlermeldung. Das kannte ich schon, es hatte in der Vergangenheit immer mal wieder Schwierigkeiten mit den Automaten und unserer Bank gegeben. Also fuhr ich zum nächsten. Wieder eine Fehlermeldung.

Da fiel mir der Satz aus Markus´ Liste wieder ein und mir wurde schlecht. Eine Übelkeit, die auf den ganzen Körper ausstrahlt. Die man sogar in den Fingern spürt. Sie lässt einen innerlich vibrieren wie eine Kirchenglocke, nur dass man den Klang nicht hört. Aber man spürt ihn. Seitdem ist mein Magen mein Kompass geworden. Ich fühlte, dass hier irgendetwas überhaupt nicht stimmte.

Zuhause rief ich bei der Bank an und teilte ihnen mit, dass Markus verstorben war. Und dass ich kein Geld abheben kann. Ich wurde zwei Mal weitervermittelt. Bis zu einer Sachbearbeiterin, die Markus mehrmals betreut hatte. Was mich sehr wunderte, weil ich davon keine Ahnung hatte, dass er überhaupt bei der Bank gewesen war. Sie teilte mir mit, dass unser Konto bis zur Dispo-Grenze ausgereizt sei. Ich fragte, ob sie eine Überweisung von unserem Sparkonto tätigen könne, damit das Konto wieder ausgeglichen wird. Ihre Stimme wurde immer leiser. Ich erfuhr, dass sich alle unsere Konten bis zur Obergrenze im Minus befanden.

„Alle unsere Konten?“, fragte ich. Ich wusste nur von unserem Girokonto und dem Sparkonto. Jetzt erfuhr ich, dass es insgesamt fünf Konten gegeben hatte. Dass Markus mehrere Kredite aufgenommen hatte. Dass es Forderungen von weiteren Kreditanstalten gab. Es hatte nie Schwierigkeiten mit den Bankautomaten gegeben – unser Konto war dann nicht gedeckt gewesen. Die Zahlen, mit denen ich monatlich kalkulierte – seit Jahren frei erfunden.

 

Der Satz „Ich fiel aus allen Wolken“ beschreibt nicht im Mindesten, wie es mir mit diesen Informationen ging. Es war, als ob man nach Jahrzehnten aus einem Koma aufwacht und feststellt, dass alles, was man erlebt hat, nicht real war. Es war das pure Grauen.

Plötzlich ergaben so viele kleine Begebenheiten einen Sinn. Immer wieder hatte ich zerrissene Umschläge von Kreditanstalten im Briefkasten gefunden. Als ich Markus danach fragte, sagte er, er hätte sich über die Werbung geärgert und sie nur vergessen, in den Müll zu werfen.

Bei einem bekannten Möbelhersteller hatte er plötzlich eine Kreditkarte beantragt und als ich ihn fragte, was das soll – wir wollten doch nur noch mit dem leben, was wir kalkulieren könnten, damit wir keine neuen Schulden bekämen – sagte er, das gebe Prozente, wenn wir ab und zu dort etwas kauften. Ich fand das blöd, ich bin kein Fan von Bonuskarten, aber das war seine Karte, also auch seine Entscheidung.

Wenn ich mal mit Freunden essen ging oder mir eine neue Jeans oder ein Buch kaufte, fragte er ab und zu nach, wie viel das gekostet hatte. „Ist im Budget“, habe ich nur gesagt, weil wir in unserer monatlichen Kalkulation jeder eine Art festes Taschengeld für solche Sachen besaßen. Daran hielt ich mich. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Markus nicht. Wie ich jetzt erfuhr.

 

Immer wieder in den Wochen und Monaten nach Markus´ Tod fand ich kleine Hinweise dafür, was eigentlich passiert war. Deshalb kann ich das hier im Blog auch nur häppchenweise erzählen. Es sind einfach zu viele Informationen auf einmal. Mittlerweile weiß ich, dass Markus direkt nach meinem Burnout einen ersten Kredit aufgenommen hatte. Wofür? Ich weiß es nicht.

Klar ist aber: Er hat sich nicht wegen der Schulden umgebracht. Das hat vermutlich nur das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich habe nach seinem Tod noch vieles entdeckt, was zusammengenommen für ihn zu dieser Entscheidung geführt hat, nicht mehr leben zu wollen. Und die kann ich, trotz allem, was passiert ist, respektieren. Wieso, erkläre ich auch in einem späteren Blog.

Markus hat in seinem Abschiedsbrief geschrieben, dass wir ihn nach seinem Tod alle hassen würden. Das stimmte nicht. Hass ist ein viel zu hartes Wort. Da muss schon viel mehr passieren. Ja, es ist viel passiert, aber ich beginne auch immer mehr zu verstehen. Das ist keine Entschuldigung. Auch keine Relativierung. Aber eine Erklärung.

Markus war sich absolut bewusst, dass er Mist gebaut hatte. Mir aber nicht. Und das nehme ich ihm übel. Darüber bin ich immer noch sauer, dass er mich all die Jahre belogen hat. Dass ich dieses Chaos alleine aufräumen musste. Und immer noch muss. Dass er sogar dann nicht ehrlich war, wenn ich ihn gefragt habe, ob etwas nicht stimmt. Warum wir nicht endlich mit den Konten zu einer anderen Bank wechseln? Wann ich meinen eigenen Zugang für das Konto bekomme, damit ich schneller handeln kann, falls ihm mal was passiert? Gerade weil es ihm in den letzten Wochen und Monaten vor seinem Tod körperlich immer schlechter ging.

 

Also saß ich da, zwei Tage nach seinem Tod, mit meiner Freundin Becki bei der Bank und erfuhr, wie schlimm es wirklich war. Es war der Horror. Ich hatte nichts mehr. Ich hatte nicht mal mehr Geld, um mir oder Lütte Locke etwas zu essen zu kaufen. Da Markus tot war, bekam ich auch seine Renten nicht mehr. Es sollte über ein halbes Jahr dauern, bis ich meinen eigenen Rentenbescheid bekommen sollte. Die laufenden Kosten kamen weiter rein und dazu Forderungen von mehreren Kreditanstalten, dessen Höhe noch unbekannt waren.

Becki und ich fuhren danach zu einer anderen Bank. Ich eröffnete ein neues Konto und Becki überwies mir ein Startkapital und kaufte mir ein Brötchen. Nicht mal dafür hatte ich Geld.

Noch nie in meinem Leben habe ich mich so beschämt gefühlt. Ich fragte mich, wie ich so blöd sein konnte. All diese Jahre. Blindes Vertrauen. Wir hatten Seite an Seite gelebt, gearbeitet, geliebt, unser Kind erzogen. Und jetzt? Mein Mann, bester Freund, Vater meines Kindes und mein Arbeitskollege waren tot. Mein altes Leben war tot. Ich hatte kein Geld mehr. Keinen Job, denn alleine konnte ich die Beratungsstelle nicht weiterführen. Mit dem Geld war auch das Haus weg, denn wie sollte ich das weiter bezahlen?

Meine Gedanken fuhren Achterbahn. Ich musste das Erbe ausschlagen, um die Schulden nicht zu übernehmen. Das Haus verkaufen. Hoffen, dass ich davon einen Teil meines Kredits für das Haus ablösen könnte. Vielleicht in Privatinsolvenz gehen. Mir einen neuen Job suchen. Eine neue Wohnung. Als Alleinerziehende mit Hund und Katze. Ohne „richtige“ Berufsausbildung. Vermutlich mehrere Jobs gleichzeitig. So sah also mein neues Leben aus.

Von da an aß ich fast nichts mehr. Mir war der Appetit vergangen. Ich zwang mich aber zu ein paar Häppchen. Wegen Lütte Locke. Ich musste ihr vorleben, wie man überlebt. Also machte ich weiter. Ich zwang mich zu essen. Ich zwang mich zum Telefonieren. Ich zwang mich zum Lösungen finden. Ich zwang mich dazu, mich nicht davon totkriegen zu lassen. Es reichte, dass Markus tot war.

 

Und ich lebe immer noch. Wie, erzähle ich ein anderes Mal. Mir reicht es jetzt. Das nochmal zu schreiben und zu lesen, löst wieder diese Appetitlosigkeit bei mir aus. Diesen faden Beigeschmack betrogen zu werden.

Markus hat mir keine Wahl gelassen, obwohl er wusste, wie es ist, behindert zu werden. Er hat mich mit einem Lebensentwurf zurückgelassen, den ich mir nicht ausgesucht habe, mit dem ich leben musste. Auch wenn sich letztendlich doch vieles ganz anders entwickelt hat, viel schöner und bunter – niemals hätte ich das vor einem Jahr erwartet – haben mich diese ersten Tage nach seinem Tod für immer geprägt: Verlassen zu werden. Betrogen zu werden. Verarmt zu sein. Ich denke immer noch oft und handele auch so, als wäre ich eine alleinerziehende Mutter mit einem Arsch voll Schulden. Anderen zu vertrauen fällt mir schwer. Ich tue es trotzdem. Rechne aber damit, dass sie mich irgendwann betrügen.

Diese innere Haltung ist schlimm. Sie ist wie eine Behinderung. Sie schränkt mich ein. Dabei wäre ich so gerne richtig frei. Doch sie kann nur weniger werden, wenn ich immer wieder erlebe, dass Menschen es wirklich gut mit mir meinen. Dass sie nicht das eine sagen und das andere tun. Dass sie wirklich verlässlich sind.

Ich kämpfe auch für unser Haus, weil es nach all diesen traumatischen Erlebnissen das einzige ist, was mir und Lütte Locke als Positives aus unserem alten Leben geblieben ist. Etwas, was ich in den ersten Wochen nach Markus´ Tod niemals erwartet hätte.

Wegen der Traumata erwartet eigentlich immer noch ein Teil in mir, dass mir das wieder passiert. Dass mein neuer Partner stirbt oder nicht wiederkommt. Dass ich letztendlich alles alleine stemmen muss. Dass man mich belügt. Dass ich wieder hochverschuldet sein werde.

Auf den Tod oder das Verlassen werden habe ich keinen Einfluss. Damit muss ich leben. Aber auf potentielle Schulden und auf die Wahrheit. Deshalb bin ich ehrlich. Deshalb rede ich Tacheles und breche Tabus. Deshalb rede ich offen über Geld. Deshalb werde ich alles tun, was ich kann, damit existenzielle Schulden nie wieder zu meinem Leben gehören. Solch ein Hausprojekt ist eine große Gefahr. Doch solange eine realistische Chance besteht, dieses Haus endlich zu dem Zuhause zu machen, das es immer sein sollte, gebe ich nicht auf.

 

Denn nicht nur ich habe diese Traumata erlebt, auch Lütte Locke. Sie weiß nicht, wie es ist, hoch verschuldet zu sein, sodass man nicht mehr atmen kann. Aber sie hat gespürt, wie es für mich war. Und sie weiß, wie es ist, verlassen zu werden. Wie es ist, wenn alles plötzlich anders ist. Schlimm anders.

Da bleiben nur Mama und das Zuhause. Deshalb halte ich es wie die Musiker „von Brücken“ und möchte, dass Lütte Locke weiß: „Siehst du mich zum Rand der Welt gehen, dann sammle ich (Domino)Steine. Dann bau ich ein Haus, das dem Wind trotzt. Und mache es zu deinem.“

Das kleine Kind gibt es auch in mir. Das kleine Kind mit der leisen Stimme, die man kaum hört. Das wünscht sich trotz allem aus tiefstem Herzen, dass endlich alles gut wird. Oder zumindest ein Teil. Dass ein Wunder geschieht. Dass wir eines Tages in diesem Haus wohnen und es warm und schön haben werden. Ohne Schulden. Als neue Familie. Ohne Angst. Und dafür bete ich. Aber der traumatisierte Teil glaubt es nicht. Der wartet immer noch darauf, dass die Dominosteine weiter fallen. Die Zeit wird zeigen, wer Recht hat.