Es ist noch nicht lange her, erst wenige Wochen, da stand ich nur auf einem Bein in der Fußgängerzone und habe geheult. Dabei hatte ich vorher ein grandioses Stück Kuchen gegessen. Es hatte aufgehört zu regnen. Und ich war endlich mal wieder draußen, nachdem ich wochenlang im Bett gelegen hatte wegen meines gebrochenen Fußes. Doch trotzdem. Mal wieder dieses trotzdem.

Der Wikinger und ich waren in einem Café. Da sprachen uns zwei ältere Damen an, mit der Bitte, sie zu fotografieren. Ich wollte gerade meine Krücken nehmen und aufstehen, da tätschelte mir eine der beiden freundlich auf die Schulter und meinte: „Bleiben Sie mal sitzen, Sie können das nicht, Sie sind ja behindert.“ Das war der erste Trotz-Moment. (Sag du mir nicht, was ich kann oder nicht kann! Das weiß ich selbst am besten!)

Als wir das Café verließen, bin ich im Eingangsbereich mit einer Krücke weggerutscht, weil es vorher stark geregnet hat. Mit meinem gebrochenen Fuß, den ich da noch nicht aufsetzen durfte, musste ich voll aufgetreten, um nicht komplett längs hinzufliegen. Mir stiegen sofort die Tränen in die Augen vor Schmerz, der Atem blieb kurz weg, und ich wollte nur noch weg, konnte aber nicht, weil Rennen auf einem Bein nicht besonders gut geht. Das war der zweite Trotz-Moment. (Immer diese kack Einschränkungen, diese Schmerzen, diese fuck Abhängigkeit an die Umgebung!)

Draußen dann war gerade wieder die Sonne rausgekommen und damit auch die Menschen. Es war Touristensaison in Ostfriesland, es war voll. Während ich versuchte, meinen schmerzenden Fuß möglichst ohne weiteres Ausrutschen zum Auto zu schleppen, schlängelten sich die Leute an mir vorbei. Manche kamen mir von hinten sehr nahe und behinderten meine Krücken. Ich musste anhalten. Sie hetzten weiter. Das war der dritte und letzte Moment. (Ihr scheiß egoistischen Arschlöcher, die ihr immer nur an eure eigenen Ziele denkt und Menschen behindert, die ohnehin schon kämpfen müssen!)

In dem Moment konnte ich die Tiefe des Augenblicks noch nicht ganz erfassen, klar war nur, ich konnte davor nicht länger weglaufen. Ich musste mich dem stellen. Dass ich die letzten drei Jahre davon gelaufen war vom Thema Behinderung. Dass ich frei sein wollte. Wie alle anderen. Dass ich einen riesen Schiss davor hatte, das wieder erleben zu müssen. Eingeschränkt zu sein, abgestempelt zu werden, kein Teil des Ganzen zu sein. Dass ich hoffte, das käme nie wieder.

Aber. Behinderungen gehören zum Leben dazu wie der Klimawandel. Unser Leben ist fragil. Wir können versuchen uns abzulenken oder nicht hinzusehen. Die Realität aber bleibt. Beides existiert. Und beides wird unser Leben beeinflussen. Spätestens wenn wir alt werden.

Nun war und ist meine „Behinderung“ nicht von langer Dauer. Ich kann wieder laufen. Dieses Wissen hat mich unglaublich dankbar gemacht. Und beschämt, weil mir wieder neu bewusst geworden ist, was es bedeutet, behindert zu werden. Obwohl ich zwanzig Jahre lang mit einem querschnittsgelähmten Menschen zusammengelebt habe.

Nachdem Markus gestorben ist, habe ich mich frei gefühlt. Etwas, worüber Hinterbliebene von Suizid nicht gerne sprechen. Weil sie sich dessen schämen. Ich tue das auch noch ab und zu. Aber nicht unbedingt wegen des Suizids, sondern wegen der Behinderung, die mit einem Schlag weggefallen ist.

Wenn Angehörige Suizid begehen, hinterlassen sie ein Riesenchaos. Vor allem emotional. Es mischen sich Trauer, Verzweiflung, Wut – und auch Erleichterung. Denn oft geht dem Suizid eine emotionale Schwere voraus, die man erst bemerkt, wenn sie nicht mehr da ist. Nicht alle Hinterbliebenen merken, dass der Angehörige mit sich kämpft, weil er es versucht zu verbergen. Doch wenn der geliebte Mensch weg ist, spüren viele, dass mit ihm auch eine dubiose Last fort da ist, die vorher immer mitgeschwungen ist. Ich nenne sie die Last der dunklen Gefühle, der dunklen Gedanken, der Depression.

Heute rede ich offen über dieses Freiheitsgefühl, weil ich es wichtig finde. Es ist – neben der Wut – der Motor für die Hinterbliebenen, mehr als das zu sein. Nicht nur zurück zu bleiben. Sondern Überlebende zu werden. Die nach vorne schauen. Die Hoffnung haben, dass es nach diesem Chaos noch etwas anderes gibt. Dass Leben existiert. Es ist wichtig, weil es einen Gegenpol bildet zum Schmerz und der Verzweiflung.

Ich kann in nur einem Blogbeitrag gar nicht beschreiben, wie das war, behindert zu werden. Wie sich das anfühlt, beinahe jeden Tag nicht dazu zu gehören. An Markus´ Seite war das für mich normal. Das war mein Leben. Ich hatte mir das auch so ausgesucht. Ich hatte Markus geliebt. Dass er im Rollstuhl saß, war Nebensache. Und das war es tatsächlich. Ich war sechzehn Jahre alt, als Markus seinen Motorradunfall hatte. Ich hatte wenige Vergleiche. Ich gewöhnte mich daran wie andere an eine Ausbildung oder eine frühe Elternrolle.

Doch im Laufe der Jahre fing es an zu nerven. Nicht dass Markus querschnittsgelähmt war, sondern wie er – und ich damit mit – behindert wurde. Ich könnte unzählige Geschichten erzählen von der Deutschen Bahn, Restaurants, Einkaufsläden, Kirchengemeinden, unaufgeklärten Menschen. It´s a never ending story of shit. Und diesem Shit kann man nicht entkommen. Man muss damit leben. Da hilft auch Beten nichts. Außer in dem Sinne, dass Gott einen versteht, weil er das ja kennt, dieses öffentliche Leiden am Kreuz, den Schmerz, das Ausgrenzen, das Verspottet werden.

Je älter Markus wurde, desto schwerer wurde es. Wie bei jedem Menschen, der die Hälfte seines Lebens hinter sich hat, schlichen sich mit vierzig erste Alterserscheinungen ein. Das finden schon Fußgänger nicht schön, für einen Menschen im Rollstuhl bedeutet das weitere Einschränkungen. Wie so oft in seinem Leben gab er nicht auf. Und betrachtete es als Herausforderung. Er versuchte, sich gesünder zu ernähren. Als ich schwanger wurde, wollte er unbedingt für die Lütte Locke ein guter Vater sein, möglichst lange leben. Er trainierte, achtete mehr auf seine Kleidung, fing wieder an zu zeichnen, versuchte Ausgleiche zu finden.   

Doch als die Lütte Locke geboren wurde, wurde die Lücke noch deutlicher. Wir fuhren als Familie irgendwo hin und Markus saß am Rand, weil er nicht mit konnte auf die Spielplätze, in die Sandkästen dieser Welt. Schon da waren die Lütte Locke und ich alleine. Ein Vorgeschmack auf das, was später kommen sollte.

Als ich mir diesen Sommer den Fuß gebrochen habe, kam alles wieder. Ich musste plötzlich wieder Fahrstuhl fahren. Ich musste in einem Rollstuhl sitzen. Ich musste im Erdgeschoss bleiben, wenn es keinen Fahrstuhl gab. Ich musste zuhause die alten Handgriffe von Markus nutzen.

Und ich grollte und schmollte innerlich und wand mich wie ein Regenwurm unter der sengenden Sonne. Ich hasste es! Ich wollte das doch nie wieder! Behindert werden.

Doch da in der Fußgängerzone kam nach und nach das Erwachen. Und nach und nach wurde ich wieder weicher und dankbarer. Für den Rollstuhl. Für die Krücken. Für Aufzüge und Handgriffe. Denn ohne diese Hilfsmittel ist man wirklich behindert. Eine typische Markus-Einstellung. Er hasste diese gängige Formulierung der Medien, „an den Rollstuhl gefesselt“. Gott sei Dank gibt es Rollstühle. Denn nicht der Rollstuhl fesselt, andere Menschen tun es.

Ich habe da früher viel drüber geschrieben. In Artikeln. In meinem alten Blog. Und bei EDENerdig. Einer eigenen Initiative für Inklusion, die Markus und ich gegründet haben. Wir wollten nicht mehr nur jammern und verbittern, wir wollten etwas verändern. Markus wurde zum Krüppelprediger, wie er sich selbst nannte. Und trotzdem haben wir nur wenig geschafft. Immer wieder sind wir auch dabei behindert worden.

Weil die Mehrheit der Menschen Angst hat. Weil wir Angst haben, dass auch wir eines Tages behindert sein könnten. Dass wir ausgeschlossen werden und nicht mehr dazu gehören. Also schauen wir weg. Ich sage wir, weil ich genau das die letzten drei Jahre getan habe. Ich bin weggerannt. Bis ich die Treppe runtergefallen bin.

Das ist auch der Grund, warum mir das so weh tut, was gerade in den Medien rund um Greta Thunberg passiert.

Ich weiß, das ist jetzt ein großer Schwenk, aber ich muss ihn einfach machen. Weil auch Greta behindert wird. Weil es auch hier um Angst geht.

Greta Thunberg hat Asperger. Manche nennen es eine Krankheit, andere ein Persönlichkeitsmerkmal. Fakt ist, dass Asperger einen Einfluss darauf hat, wie ein Mensch die Welt sieht. Genauso hat aber auch eine Querschittslähmung einen Einfluss darauf, wie man die Welt sieht. Aus einem Rollstuhl heraus besteht die ganze Welt nur noch aus Ärschen. Man hat gar keine andere Wahl. Heißt das nun aber, dass die Sicht eines Menschen im Rollstuhl nicht richtig ist? Es ist Realität. Vielleicht etwas anders als aus der Sicht eines Fußgängers, aber dennoch real. Genauso ist es mit Asperger. Die Sicht eines Menschen mit Asperger ist genauso wenig richtig oder falsch wie die eines Menschen ohne Asperger. Möglicherweise ist sie sogar viel schärfer. 

Möglicherweise wird Greta von ihrem Familiensystem in eine bestimmte Rolle gedrängt. Ich behaupte aber: Wie wir alle. Keiner von uns ist so frei, dass er außerhalb dessen agieren könnte, welche Rolle er in seinem Ursprungssystem eingenommen hat. Ganz sicher ist sie ein Instrument der Medien geworden. Sicher auch von Umweltaktivisten. Und wie bei jeder gesellschaftlichen Massenbewegung schießen manche dabei über das Ziel hinaus. Aber.

Ich war genauso alt die Greta, als ich mich entschied, mit einem Mann zusammenzuleben, der querschnittsgelähmt ist. Mit sechzehn ist man noch nicht erwachsen, aber man ist auch kein Kind mehr. Man hat Ideale. Man weiß, was einem wichtig ist. Entweder geht man damit nach außen oder man verkriecht sich damit vor der bösen Welt. Meine Generation habe ich fast durchweg als idealistische Weltbejammerer in Erinnerung. Wir haben mit Kurt Cobain der Gesellschaft den Stinkefinger gezeigt und uns verpisst. Diese Generation jetzt tut das nicht. Sie geht nach außen. Natürlich auch mal etwas naiv. Natürlich auch mal überzogen. Sie sind Heranwachsende. Natürlich auch emotional.

Denn diese Themen sind emotional. Wo immer es um Leben geht, wird es emotional. Deshalb schaukeln auf allen Seiten die Emotionen hoch. Weil es um unser aller Leben geht.

Nicht nur im dramatischen Sinn wegen des Klimawandels, weil er unser Leben bedroht, sondern auch unseren Alltag. Weil jeder Abstriche machen muss, wenn wir dem Klimawandel etwas entgegensetzen möchten, oder auch nicht. Auch wenn wir ihn einfach kommen lassen und schauen, was er mit uns macht. Weil dann jeder von uns behindert wird. Weil dann jeder von uns etwas aufgeben muss. Und wer will das schon? Wir alle sehnen uns nach Freiheit und Entfaltung. Nicht nach Einschränkung und Behinderung.       

Wer Angst hat, reagiert mit Flucht. Wenn das aber nicht mehr geht, weil dieses Mädchen mit ihren Aussagen überall ist und immer wieder in den Medien auftaucht, fühlen wir uns in die Enge getrieben. Wir werden zunehmend genervt. Weil wir verdammt nochmal unser schönes Leben behalten wollen, das wir uns so lange so hart erkämpft und aufgebaut haben. Und dann kommt ein Kind daher, das uns, die wir viel mehr Lebenserfahrung haben, etwas erzählen will? Das macht uns wütend. Weil wir uns bedroht fühlen in unserem Frieden. Deshalb greifen wir an. Mit Zynismus. Und wenn das nicht hilft, mit Erniedrigung.

Vielleicht sind einige von uns auch ein wenig neidisch. Weil wir uns seit Jahren für die Umwelt einsetzen. Weil wir uns angestrengt haben. Weil wir auf vieles verzichtet haben, um Bio-Lebensmittel einzukaufen. Weil wir wirklich unser Bestes im Kleinen getan haben. Und da kommt ein Teenager daher und bewegt innerhalb eines Jahres die halbe Welt, während wir immer noch jeden Cent umdrehen, um unsere Familie möglichst fair über die Runden kommen zu lassen.

Unsere Emotionen sagen überhaupt nichts über Greta Thunberg aus. Sie sprechen Bände über uns selbst. Sie sind Momente wie meine einbeinige Heulattacke in der Fußgängerzone. Sie sind beschämend. Sie öffnen die Türen zu unseren dunklen Seiten.

Und das macht noch mehr Angst. Aber auch Hoffnung, denn wenn wir die Angst nicht weiter bekämpfen und noch wütender verteidigen, sondern genauer hinschauen in ihre gemeine Visage; wenn wir uns fragen, wovor wir eigentlich so eine scheiß Angst haben, können wir besser mit ihr umgehen. Weil wir sie und uns dann besser verstehen. Wir werden endlich erwachsen, egal wie alt wir sind. Wir übernehmen Verantwortung für unser Ego. Eigentlich ist es die Chance unseres Lebens.

Gott sei Dank hat Greta Marketingleute an ihrer Seite, die sie abschirmen und unterstützen. Ich hoffe es. Denn diese weltweite emotionale Wucht, die ihr da entgegenkommt, ist zu viel für einen einzigen Menschen. Um es vielleicht genauso provokant und überspitzt zu sagen, wie Greta, die nun klagt, man habe ihr die Kindheit genommen: Markus ist genau an dieser Wucht zerbrochen. Die Gründe für seinen Suizid waren vielfältig. Aber zusammengefasst kann man sagen, dass ihn diese Welt mürbe gemacht hat. Oder um eine typisch stimmungsmachende Bild-Schlagzeige rauszuhauen: Die Lieblosigkeit hat ihn getötet.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass er es ja noch gut gehabt hat, als Mensch mit Behinderung in Deutschland. Da solle man sich nicht so anstellen. Was soll denn erst ein Querschnittsgelähmter in Afrika sagen? Es ist derselbe Vergleich, der gezogen wird zwischen Greta und Kindern in den ärmsten Ländern dieser Welt. Er ist anmaßend.

Natürlich finde ich das kacke, dass Markus Suizid begangen hat. Ich will das auch keinesfalls rechtfertigen. Aber selbst ich, die ich zwanzig Jahre fast jede Nacht neben ihm geschlafen habe, kann nicht im Mindesten nachfühlen, was es wirklich bedeutet, nicht laufen zu können. Den eigenen Körper nicht mehr zu spüren. Phantomschmerzen zu haben. Immer schwächer zu werden. Jeden Tag an meine Grenzen zu kommen. Mich trotzdem immer wieder aufzurappeln, um für Inklusion zu kämpfen und anderen in meiner Situation zu helfen. Und trotzdem immer weiter behindert zu werden. Wie kann ich dann sagen, er solle sich nicht beklagen? Ich sitze, verdammt nochmal, nicht in einem Rollstuhl. Und genauso sitzen wir nicht in Greta Thunbergs Haut.

Ich weiß nicht, ob der Klimawandel von Menschen gemacht ist. Das ist, wie so vieles in unserer von Informationen überfluteten Welt, Glaubenssache geworden. Wissenschaftler widerlegen Wissenschaftler. Ich weiß nur, dass er ist.

Aber falls die Chance besteht, dass wir etwas daran ändern können, warum sollen wir sie dann nicht nutzen? Vielleicht bringt es nichts. Vielleicht bringt es nur weiteren raffgierigen Wirtschaftshaien mehr nachhaltiges Geld aufs Konto. Aber der Welt nur den Stinkefinger zu zeigen und mich opfermäßig grollend wie ein Teenager meiner Generation in virtuelle Welten oder Sarkasmus zu verkriechen, bewegt gar nichts.

Selbst wenn ich damit wieder auf mich nehmen muss, behindert zu werden – ich sage ja dazu. Zum Versuch der Veränderung. Und zu möglichen Einschränkungen. Wir werden es sowieso über kurz oder lang sein. Jeder Mensch wird eines Tages in seinem Leben behindert oder eingeschränkt werden. Das Leben ist fragil. Stellen wir uns diesem Fakt. Laufen wir nicht weiter davor weg. Und überlegen wir stattdessen – gemeinsam! – wie das aussehen könnte, dass Behinderungen nicht mehr mit Ausgrenzungen einhergehen müssen. Wie Inklusion als Herzenshaltung diesem gesellschaftlichen Wandel dienen könnte. Denn den können wir nicht mehr aufhalten. Wir stecken mittendrin.

Ich lebe auf dem Land, wir fahren einen alten klapprigen Benziner und einen Diesel. Wir brauchen beide Autos. Vom Elektroauto bin ich nicht überzeugt, solange nicht klar ist, wie das Teil recycelt wird. Außerdem habe ich kein Geld dafür. Darüber kann ich mich jetzt aufregen. Aber das sind Details. Und wir sind Menschen. Wir können nicht erwarten, dass wir alles direkt richtig machen. Wir lernen durch Fehler. Und dieses Lernen sollten wir uns erlauben. Und daran wachsen. Anstatt nur zu kritisieren. Das verbraucht unnötig Energie, die wir brauchen, um vorwärts zu kommen. Wenn ich mich nach Markus´ Suizid immer nur darüber beschwert und mich in meinem Leid gesuhlt hätte, wo wäre ich heute?

Ich kann Markus vieles vorwerfen – dass er mich und die Lütte Locke verlassen hat, dass er uns betrogen und belogen hat, dass er uns mit Schulden zurückgelassen hat – aber nicht, dass er nicht gekämpft hätte. Er hat bis zum Schluss mit sich und dieser Welt gerungen. Und ich wünsche mir von Herzen, dass das weniger wird. Dass Menschen nicht noch mehr an dieser Welt zerbrechen. An ihren Barrieren, ihren Behinderungen, ihrer Lieblosigkeit.

Lasst uns, verdammt nochmal, anfangen zu lieben. Um zu leben. Ja, ich weiß, dass ist wieder plakativ, aber auch die FAZ, die Süddeutsche und die Zeit dürfen mal emotionale Schlagzeilen raushauen. Wenn sie stimmen. Denn das ist das, was wir alle brauchen und was wir alle trotz Einschränkungen in irgendeiner Weise geben können. Liebe.