EHRLICHKEIT & AUSDAUER

#Welcomefear
Wie man Krisen überl(i)ebt, Teil 5

Ich bin ganz ehrlich: Wir haben Lagerkoller hier in Lütte Lockes Landhuus. Nach vier Wochen ohne großartig Kontakt zu anderen Menschen und ohne Türen, die wir zumachen können, gehen wir uns gegenseitig oft auf den Sack.
Klar schweißt uns das auch zusammen und klar wachsen wir über uns hinaus. Das haben Krisen so an sich. Aber schön? Nee, schön finden wir das nicht. Auch nicht an Ostern.

Bei all den positiven Posts im Netz – und die finde ich super! – will ich auch mal sagen dürfen: Nee, hier nicht. Hier war Ostern auch anstrengend und nörgelich und weinerlich und explosiv.

Denn auch das ist bei Krisen wichtig: Ehrlich zu sein. Und Kacke auch beim Namen nennen zu dürfen. Gerade an Ostern, dem Auferstehungsfest.
Für Jesus, seine Familie, die Jünger waren diese fünf Tage sicher alles andere als schön. Es muss ähnlich wie bei uns (und damit meine ich uns alle in dieser Pandemiezeit) unfassbar Kräfte zehrend gewesen sein. Eine absolut emotionale Berg- und Talfahrt. Sterben und Leben an einem einzigen Wochenende. Meine Fresse!

Aber genau deshalb liebe ich Ostern. Weil das keine Feier der Perfektion ist. Sondern der des Schmutzes und des Drecks – damit man daraus neu emporwachsen kann.
Nach Markus‘ Suizid hat mich das immer wieder durch getragen, dieses Osterndenken. Weil Ostern nicht nur jetzt ist. Ostern ist immer.
Es hat aber keiner behauptet, dass Über-Sich-Hinauswachsen einfach wäre. Ein Neubeginn kostet Energie. Das erleben wir gerade in der Natur – und haben ironischerweise wegen der Pandemie die Möglichkeit dazu, das bewusst zu beobachten.

Dabei stellen wir fest – egal, ob Tier oder Pflanze oder Mensch: Wer Energie verbraucht, benötigt Nahrung.
Auf uns Menschen in Krisenzeiten übertragen: Wir brauchen Dinge, die uns gut tun. Sie helfen uns den Marathon einer Krise mit ungewissem Ausgang durchzuhalten.
Bei uns haben wie sooft die Natur, das Kreativsein, gutes Essen und unsere tierischen Familienmitglieder dazu beigetragen, dem Lagerkoller den Stinkefinger zu zeigen.

Und damit wären wir wieder bei den positiven Posts, die absolut wichtig sind. Wenn man daraus keine Just-Happy-Party macht, die das Dunkle aussperrt. Denn ohne das eine gibt es das andere nicht.

  • Was könnte das bei euch sein?
  • Was geht euch total auf den Keks?
  • Wofür seid ihr dankbar?

In diesem Sinne: Frohe Ostern euch. Auch morgen. Und übermorgen. Einfach überhaupt.

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