Don´t ever give up,
Ihr Hoffnungsvollen,

nach dem letzten Newsletter hat sich einiges getan, weshalb ihr jetzt schon wieder Post bekommt. In Zukunft wird das nur noch zwei bis drei Mal im Jahr passieren – keine Sorge. Und da ich weiß, dass in der Adventszeit viel geschrieben und viel gelesen (oder auch nur überflogen) wird, versuche ich mich kurz zu fassen.

Was bewegt uns aktuell?

Die Adventszeit wird auch Wartezeit genannt, Warten auf Gottes Sohn. Bei uns ist diese Zeit von einer anderen Art Warten gekennzeichnet. Lütte Lockes Opa, mein Vater, ist vor knapp zwei Wochen mit einer Lungenentzündung auf die Intensivstation gekommen. Da er COPD hat, war der Zustand seiner Lungen ohnehin nicht gut. Er musste ins künstliche Koma versetzt werden und ist bis heute nicht wirklich daraus erwacht.

Er ist in einem Delir, sein Gehirn ist in einer Art Parallelwelt, und hat nur ab und zu wache Momente. Es wird zwar täglich etwas besser, aber es gibt auch immer wieder Tage, an denen wieder alles ist wie noch vor einer Woche. Sein Zustand ist nach wie vor kritisch und es ist nicht abzusehen, ob er das überleben wird. Wenn ja, kann man davon ausgehen, dass er nicht mehr ohne Sauerstoffversorgung durch die Nase leben kann und vermutlich eine Pflegestufe bekommt. Außerdem kann ihn in Zukunft jeder kleine Infekt in eine ähnliche Situation bringen.

Da mein Vater das durch seinen Lebensstil leider selbst herbeigeführt hat, haben wir so etwas eigentlich schon erwartet. Vor drei Jahren hat Markus noch gesagt, dass mein Vater das so nicht mehr lange durchhalten wird. Und dann hat Markus Suizid begangen. Welch eine Ironie. Ich verbringe den Advent deshalb mit Abschied nehmen. Abschied von Lütte Lockes Opa, wie er vorher war.

Wie geht es uns damit? So blöd das auch klingt, ich bin dankbar, dass das erst jetzt passiert. Ich hatte mich gerade etwas erholt von diesem Chaos nach Markus´ Suizid und wollte und will immer noch in unser neues Leben starten. Trotzdem. Diese Wartezeit bringt mich neu an meine Grenzen, weil er schon wieder da ist, der Tod. Es wäre schön gewesen, ihn eine Weile vom Hals zu haben. Doch der Tod hält sich nicht an Feiertage. Gestorben wird immer. Auch im Advent.

Doch im Gegensatz zu der Zeit nach Markus´ Tod erlaube ich mir, nicht in den Funktionsmodus zu schalten, sondern den Schmerz und die Gefühle direkt zuzulassen. Ich versuche es zumindest. Und Lütte Locke auch. Als ich letzte Woche losgefahren bin, um meinen Vater zu besuchen, hat sie gesagt: „Mama, geh nicht zu nahe zu Opa. Sonst steckst du dich noch an und stirbst dann auch.“ Sie sagt das so, als würde sie erzählen,  dass es draußen regnet. Der Tod ist für die Realität, ein sachlicher Fakt, und nicht schön. Aber er ist. Diese bald Sechsjährige wächst in dem Bewusstsein auf, dass das Leben endlich ist. Schön ist auch das nicht. Aber es ist.     

Wie steht es mit "Blattwenden"?

Gleichzeitig ist die Adventszeit bei mir geprägt vom Unterwegs sein. Wie die drei Weisen aus dem Morgenland bin ich auf dem Weg zum Ziel. Wochenlanges Reisen auf einem Kamelrücken, bis man den Po nicht mehr spürt und die Kleidung stinkt. Doch der Stern funkelt weiter klar und deutlich. Zumindest, was das Projekt „Blattwenden“ angeht, von dem ich im letzten Newsletter berichtet habe.

Der Verein Lichtblick e.V. hat das Projekt beschlossen und bei der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern vorgestellt. Einen Auszug aus der Projektskizze mit allen weiteren Infos findet ihr auf meinem Blog: www.green-woman.de/green-womans-blattwenden. Im Gegensatz zum letzten Newsletter gibt es darin noch einige Änderungen. Der Blog und auch die Kreativzeiten für Trauernde sollen existieren können, auch wenn die Sanierung von Lütte Lockes Landhuus nicht gelingen sollte. Außerdem haben wir nachkalkuliert, da wir festgestellt haben, dass die Projektplanung, die Ausbildung und der Blog jetzt schon zwanzig Stunden in der Woche beanspruchen.

Was brauchen wir? Unser erstes Spendenziel sind weiterhin 900,- Euro monatlich. Die nächste Etappe sind 1200,- So viel benötigen wir, um die Zeit zu finanzieren, die ich bereits dafür investiere. Dazu kommen nochmal ca. 250,- Euro Arbeitgeberkosten. Und in etwa einem Jahr 300,- Euro für die Raumkosten für die Kreativzeiten. Das finale Spendenziel liegt demnach bei rund 1800,- Euro im Monat.

Einundzwanzig von euch haben sich bereit erklärt, „Blattwenden“ monatlich zu unterstützen. Die meisten spenden 30,- Euro im Monat, andere weniger, andere mehr. Insgesamt liegen die Spenden bei 775,- Euro. Vielen herzlichen Dank! Für einen guten Start fehlen uns noch 125,- Euro, also 4,16 Leute, die bereit sind, Blattwenden mit 30,- Euro im Monat zu unterstützen. Seit letzter Woche gibt es ein offizielles Vereinskonto, sodass eure Spenden auch steuerlich absetzbar sind. Die Daten findet ihr am Ende dieses Newsletters.

Was ist mit Lütte Lockes Landhuus?

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Das ist der letzte Winter in diesem Haus in diesem Zustand. Hop oder top. Warum das so ist und was das mit der Adventszeit zu tun hat, könnt ihr im aktuellen Blogtext nachlesen:  www.green-woman.de/2018/12/04/als-weihnachten-starb Das bedeutet nicht, dass ich jetzt aufgebe. Ganz im Gegenteil. Ich möchte weiterhin Lütte Lockes Zuhause erhalten und hier in unserem Naturparadies Kreativzeiten für Trauernde anbieten. Aber ich möchte nicht mehr frieren. Achtzehn Jahre Winter in Wolldecken sind genug.

Deshalb war es mir auch wichtig, dass Blattwenden existieren kann, auch wenn das Haus nicht saniert werden sollte. Die Voraussetzungen sind jedoch da: Die Baugenehmigung ist erteilt, im Dezember kommen noch die aktuellen Zahlen des Bauunternehmers, der Dachdecker würde gerne schon im Februar anfangen. Der Wikinger, mein Partner Chris, hat seit Anfang Dezember zusätzlich zu seinem Kleingewerbe auch noch eine Stelle im IT-Bereich. Ich habe meine Witwenrente und wenn ich wieder angestellt bin, dürfte die Bank theoretisch nichts mehr dagegen einwenden.

Wie geht es weiter? Das hängt aber davon ab, wie sich die Spendenlage von Blattwenden entwickelt. Je höher mein Gehalt, desto höher sind die Chancen, dass die Bank die Zusage für den Sanierungskredit bei der KfW erteilt. Zu hoch darf mein Gehalt allerdings auch nicht sein, weil sonst meine Witwenrente gekürzt wird. Die für Blattwenden erforderlichen 1200,- Euro Brutto sind gleichzeitig die Höchstgrenze, die ich dazu verdienen darf.

Sollte die Kreditzusage nicht erfolgen, werde ich notfalls die Bank wechseln oder noch andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Sollte das aber auch nicht funktionieren, werde ich gezwungen sein, Lütte Lockes Landhuus doch zu verkaufen. Obwohl wir uns die Sanierung leisten könnten. Das wäre schon bitter. Doch ich bleibe dabei: Ich möchte nicht mehr frieren.

Was wünschen wir uns?

Das hat mich letztens eine Freundin gefragt. Die ultimative Coachingfrage: Wenn eine Fee dir einen Wunsch erfüllen würde, was wäre das? Vor Kurzem hätte ich noch gesagt: Eine große Summe Geld, damit ich unser Haus sanieren kann. 333.333 Euro. Weil ich die Dreieinigkeit so mag. Wenn die Summe noch größer wäre, könnte ich heiraten, weil ich die Witwenrente nicht mehr bräuchte. Und der Wikinger könnte die Lütte Locke adoptieren. Das wäre wirklich, absolut mein größter Wunsch. Doch jetzt. Jetzt würde ich mir wahrscheinlich wünschen, dass die Lungen meines Vaters wieder gesund wären. Oder dass der Tod uns für mindestens zehn Jahre in Ruhe lässt.

Diese Wünsche sind aber unrealistisch. Weil es eben keine Feen gibt. (Und schon ist wieder eine gestorben, weil ich nicht an sie glaube. ;) Nun könnte ich Gott darum bitten. Und das tue ich mit meinem kindlichen Anteil auch. Die Erwachsene in mir glaubt aber nicht mehr an Wunder. Aber an Zusammenhalt. Und Liebe. Und Gottes Gnade. Deshalb bete ich weiter dafür. Und ich würde mich freuen, wenn ihr es auch tut. Mehr wünsche ich mir nicht.

Ach ja? Meine Freundin hat dann weiter gebohrt: Wenn du bei einer Radiosendung beschenkt werden würdest, was würdest du dir wünschen? Da musste ich lange überlegen. Mehrere Tage. Über eine Woche. Weil alles so existenziell bei uns ist. Und selbst nach längerem Nachdenken lande ich wieder nur bei Geschenken, die mit Zeit zu tun haben. Ein Wohnmobil, damit wir mit der Lütten Locke zusammen auf die Märkte fahren und Skulpturen verkaufen können. Oder ein Familienurlaub. Kein Kurztrip und kein Arbeitsurlaub. Mal zwei Wochen raus aus allem, in die Natur, die Berge, mit Kinderprogramm und Sauna. Es ist ja so scheiße kalt hier im Haus.   

Warum überhaupt wünschen? Ich weiß, dass diese Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Und ich mache sie auch nicht zum Mittelpunkt meines Lebens. Doch sie helfen, sich auszurichten. Nicht unter der Trauer zusammenzubrechen. Nach vorne zu schauen. Auch wenn man sich manchmal so vorkommt wie der Esel, der ständig der Möhre hinterherläuft, die er sowieso niemals erreicht, weil sie nur an einem Seil über seiner Nase baumelt. Immerhin ist er in Bewegung. Und durch Bewegung entsteht Wärme. Und neue Erfahrungen. Leben eben.

 

Ich bleibe also dabei: Ich würde mich freuen, wenn ihr in der Adventszeit ab und zu an uns denkt. Und für uns betet, wenn ihr es könnt.

Es kann sein, dass ich nicht immer direkt antworten kann, wenn ihr mir Nachrichten schickt. Und dass die Facebook-Posts etwas wirr oder emotional werden. Oder ganz ausbleiben. Je nachdem, was in der nächsten Zeit passiert. Die letzten fünf könnt ihr jetzt übrigens immer auf dem Blog nachlesen, auch wenn ihr nicht bei Facebook angemeldet seid: www.green-woman.de/luette-lockes-landhuus-green-womans-schnelle-variante/

Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Mal wieder. Doch auch die wird irgendwann zu Ende sein. Irgendwann haben wir sicheren Boden unter den Füßen und können sagen: Das ist. Bis dahin betet mit uns: Für genug Spender für Blattwenden. Für die Sanierung für Lütte Lockes Landhuus. Für Lütte Lockes Opa. Und für uns als Familie. Die einfach gerne mehr Zeit miteinander und füreinander hätte.

Danke.

Wir wünschen euch eine andere Adventszeit als unsere. Wir wünschen euch Lachen und Genuss und Leichtigkeit und ganz viel Zeit für euch und die Menschen, die ihr liebt und die euch lieben. Wir wünschen euch Gottes Nähe und Wärme. Seid behütet.

 

Es grüßt euch, trotzdem oder besonders mit Hoffnung,

Eure Greenwoman, Nicole
Greenwoman Blog
Instagram
Impressum:
Nicole Schenderlein
Schatthauserstraße 23
26553 Dornum

E-Mail:
kontakt@green-woman.de

Mitmachen:

Spendenkonto Blattwenden: DE94 2835 0000 0145 5879 03 (für Blattwenden)
Sparbuch: DE86 2802 0050 8615 9738 30 (für private Zwecke wie die Haussanierung)

Wunschzettel: www.amazon.de/registry/wishlist/12WG1ZA8KQEI2/ref=cm_sw_em_r_mt_wsv__uh7TzbKJNEGDA

 

 
 
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