Projektbeschreibung

„Das Blatt wendet sich.“ Ein Ausdruck, den wir benutzen, wenn sich eine Situation grundlegend ändert, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben. Menschen, deren Angehörige oder Freunde Suizid begehen, erleben genau das. Sie haben keine Wahl; ihr Lebensblatt wendet sich, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Viele fühlen sich dem hoffnungslos ausgeliefert.
Blattwenden möchte ihnen und Menschen in anderen Lebensumbrüchen dabei helfen, ihre Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen: Aktiv ihr neues Leben zu gestalten, ihr Blatt selbst zu wenden, es mit einem neuen Inhalt zu füllen.

Ausgangssituation
Suizid gehört zu den häufigsten Todesursachen und ist trotzdem immer noch ein Tabuthema. Angehörige sind deshalb oft im wahrsten Sinne sprachlos. In der Allgemeinheit finden sie meist keinen geeigneten Rahmen, in dem sie sich ausdrücken können mit ihrem Schmerz, der Verwirrung und den ambivalenten Gefühlen, die solch ein besonderer Tod mit sich bringt. Daran möchte Blattwenden etwas ändern.

Ziel
Das Hauptziel ist, Angehörige und Hinterbliebene von Suizid zu stärken. Ein Teilziel ist dabei die grundsätzliche Information und Aufklärung über Suizid und dessen Folgen. Ein weiteres Teilziel ist die Suizidprävention, da Angehörige von Suizid oft selbst in die Gefahr geraten, Suizid zu begehen.
Zielgruppe sind Suizid-Hinterbliebene und Menschen in anderen Lebensumbrüchen, da sich die Bewältigungsmöglichkeiten nach einem Suizid auch auf plötzliche Lebensumbrüche allgemein übertragen lassen. Einen Schwerpunkt bilden jedoch verwaiste Familien, da die Suizidrate bei Männern höher ist.

Idee
Blattwenden möchte Menschen nach einem Suizid oder einem Lebensumbruch dabei helfen, ihre Sprache wiederzufinden oder neu zu entdecken: Sich selbst besser zu verstehen, sich und die Situation anzunehmen, und sie selbst zu gestalten. Blattwenden folgt dabei dem selbst erarbeiteten Prinzip Groeien. Es basiert auf der Grundhaltung des christlichen Menschenbildes: Jeder Mensch – sowohl der Trauernde als auch der Verstorbene – ist von Gott geliebt, mit allen Fragen und Spannungen.
Abgrenzung: Blattwenden versteht sich ausschließlich als aufklärendes und kreativpädagogisches Unterstützungsangebot und ist keine Therapie, auch wenn Bestandteile der Kreativtherapie genutzt werden.

Umsetzung

Blattwenden steht auf zwei Säulen:

I.) Informieren und Aufklären: Zu Blattwenden gehört dieses Onlinemagazin Greenwomans Blattwenden samt Social Media wie Lütte Lockes Landhuus. Greenwomans Blattwenden beinhaltet meine eigene Geschichte(n), sowie Berichte anderer Hinterbliebener und Überlebender nach einem (versuchten) Suizid. Abgerundet wird das Magazin durch Kreativ- und Coaching-Impulse sowie Buchtipps und Online-Galerien.

II.) Handeln und aktiv werden: Blattwenden will Kreativzeiten für (Suizid)Hinterbliebene und Menschen in anderen Lebensumbrüchen anbieten. In der Gruppe können Teilnehmer durch Bildhauerei (Arbeiten mit Ton und Gips, Zeichnen und Malen, Naturkunst) ihrem Leben im wahrsten Sinne eine neue Gestalt geben. Ein zusätzliches Coachingangebot per Telefon oder E-Mail soll insbesondere den Teilnehmern nach den Kreativzeiten, aber auch anderen Betroffenen helfen, ihr Lebensblatt zu wenden.


Erwartete Ergebnisse

I.) Das Online-Magazin bietet Betroffenen die direkte und anonyme Möglichkeit, sich über die eigene Situation zu informieren und verstanden zu fühlen. Dadurch werden sie in ihrer Krisensituation gestärkt. Sie können außerdem selbst mit ihrer Geschichte dazu beitragen, ihre Sprachlosigkeit zu durchbrechen und wiederum anderen helfen.

II.) Kreative Handlungen sind fester Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie und können Betroffenen dabei helfen, sich nicht mehr als Opfer der Situation zu fühlen, sondern ihr Leben in vielfältiger Weise neu zu gestalten. Blattwenden nutzt diesen bewährten Bestandteil, um Suizid-Hinterbliebenen und Menschen in anderen Lebensumbrüchen einen kreativen Rahmen zur Verarbeitung zu bieten. Der Halt der Gruppe trägt außerdem dazu bei, sich nicht ohnmächtig allein zu fühlen, sondern gestärkt aus der Lebenskrise hervor zu gehen. Ein begleitendes Coaching bietet weitere Sicherheit auf dem neuen Lebensweg.

Zeitplanung

I.) Die erste Säule von Blattwenden, Informieren und Aufklären, wurde in der Vorlaufphase des Projekts entwickelt. Vor dem eigentlichen Beginn des Projekts sind das Online-Magazin und das dazugehörige Social Media als Basis entstanden.

II.) Die zweite Säule wird schätzungsweise bis zu fünf Jahre bis zur völligen Etablierung dauern. Darin enthalten ist auch das Bildhauerstudium der Projektleitung; während dieser Zeit werden alle Fertigkeiten erlernt, die für die finale Umsetzung des Projekts relevant sind.

Im ersten Jahr geht es hauptsächlich darum, das Projekt langfristig zu finanzieren, das Online-Magazin weiter auszubauen und möglicherweise mit den ersten Kreativzeiten zu starten.

Ab dem ersten Jahr sollen deshalb auch die Räumlichkeiten hier in Lütte Lockes Landhuus, im ländlichen Raum von Dornum, für die Kreativzeiten hergerichtet werden. Dafür müssen die Räumlichkeiten zu Ende renoviert und eingerichtet werden. Die Dauer dafür wird auf bis zu zwei Jahre geschätzt. In der Zwischenzeit können verkürzte und vereinfachte Kreativangebote in den Räumlichkeiten des Lichtblick e.V. in Aurich stattfinden.

Im zweiten und dritten Jahr werden die Kreativangebote ausgebaut und der Ablauf getestet und optimiert. In diesem Zeitraum wird auch das Bildhauereistudium beendet sein. Gewünscht ist auch, dass je nach Spendenlage weitere Mitarbeiter für das Online- und Telefoncoaching hinzukommen.

Im vierten und fünften Jahr sollen Projektleitung, Coaching und die Finanzierung der Räumlichkeiten so stabil sein, dass eventuell noch weitere Mitarbeiter dazu kommen können. Um die Säulen Aufklären und kreative Handlungen miteinander zu verbinden, sollen zudem Ausstellungen zu den Themen Groeien, Weiterl(i)eben sowie Tod, Suizid und Neubeginn entwickelt werden. Denkbar wäre spätestens in diesem Stadium auch die Gründung eines eigenen Vereins.

Finanzierung

Nach einem Suizid können viele Witwen, Witwer und Waisen ihren bisherigen Lebensstandard nicht aufrecht erhalten. Blattwenden möchte ihnen deshalb unkompliziert und schnell eine Stütze bieten und nicht von den finanziellen Mitteln der Betroffenen abhängig sein. Da ich das selbst erlebt habe, ist mir dieser Aspekt besonders wichtig.
Nur die Materialkosten für die Kreativzeiten sollen von den Teilnehmern selbst finanziert werden – außer es findet sich ein Sponsor dafür. Wenn es den Teilnehmern möglich ist, freut sich Blattwenden natürlich über eine Spende in Höhe ihrer Wahl. Diese werden dann zur weiteren Ausstattung und Erhalt der Räumlichkeiten sowie für Fortbildungen genutzt. Das ist jedoch ausdrücklich keine Verpflichtung.

Kosten
Zur Kalkulation wird ein Stundenlohn von 17,04 Euro genutzt, der sich am unteren Rand des Durchschnittslohns eines Sozialarbeiters, Beraters oder Redakteurs orientiert.
Die Personalkosten der Projektleitung inklusive Redaktion und Kreativzeiten liegen insgesamt bei mindestens 1500,- Euro monatlich (brutto). Die Kosten für die Raumnutzung liegen bei 330,- Euro monatlich (warm). Eine erste Grundlage für das Coaching liegt ebenfalls bei 330,- Euro im Monat.


Spenden

Blattwenden ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins „Lichtblick e.V.“ Spenden an den Verein sind steuerlich absetzbar; nach Ablauf jedes Jahres verschicken wir Spendenbescheinigungen für Spenden über 200,- Euro, sofern die Spender ihre Adresse mitgeteilt haben. Für geringere Spenden reicht dem Finanzamt ein Kontoauszug als Beleg.

Einzelspenden sind werden für Fortbildungen, Öffentlichkeits- und Informationsmaterial sowie die Einrichtung und den Erhalt der Räumlichkeiten genutzt. Blattwenden kann auf Dauer aber nur bestehen, wenn das Projekt von vielen Dauerspendern getragen wird, die es monatlich mit einer Spende unterstützen. Wir nennen sie Blattwender.

Die meisten Blattwender unterstützen das Projekt mit 30,- Euro im Monat; die Summe ist aber nur ein Vorschlag und kann je nach Möglichkeit höher oder niedriger ausfallen. Gerne nehmen wir auch „Kaffeespenden“ von 3,- Euro monatlich an oder 3×3 Euro (weil wir die Dreieinigkeit so schätzen.) Umso mehr kleine Einzelspender, umso stabiler wird unsere Arbeit.

Unsere derzeitigen Spendenziele sind: (Stand Juni 2020)

  1. Sicherung der Projektleitung von Blattwenden inklusive Kreativzeiten: Aktuell fehlen noch 330,- Euro monatlich oder 3960,- als Jahresspende.
  2. Sicherung der Raumnutzng für die Kreativzeiten: 330,- Euro monatlich oder 3960,- als Jahresspende.
  3. Sicherung des Telefon- und Onlinecoachings: 330,- Euro monatlich oder 3960,- als Jahresspende.

Jahresspenden können auch von Unternehmern, anderen Vereinen oder Kirchengemeinden getätigt werden. Damit werden sie offiziell zu Freunden und Sponsoren von Blattwenden, und als Dankeschön mit Logo auf der Startseite und auf der Freundeseite genannt.

Auf einen Blick
Blattwenden ist ein Angebot für Suizidhinterbliebene und Menschen in anderen Lebensumbrüchen. Es ist ein Projekt des gemeinnützigen „Lichtblick e.V.“
Zu Blattwenden gehört: das Onlineangebot Greenwoman mit dazu gehörigem Social Media, Kreativzeiten und in Zukunft Telefon- und Onlinecoaching sowie Kunstausstellungen.
Projektleiterin bin ich, Nicole Schenderlein, selber Suizid-Hinterbliebene.
Die Kosten für das Projekt belaufen sich final auf mindestens 2160,- Euro monatlich (Personal- und Raumnutzungskosten).
Spenden für das Projekt sind steuerlich absetzbar.

Aktuell fehlen uns für die erste Etappe noch 11 Menschen, die uns mit 30,- Euro im Monat unterstützen.

Spendenkonto: Lichtblick e.V. Blattwenden, Betreff: Blattwenden, Sparkasse Aurich, DE94 2835 0000 0145 5879 03